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CM4Ju - Computergestütztes Case Management in der Kinder- und Jugendhilfe

Projektträger

Das Vorhaben wurde im Projektverbund aus Katholischer Hochschule Mainz unter Beteiligung der IKJ Institut für Kinder- und Jugendhilfe gGmbH, der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen Abteilung Münster unter Beteiligung der Gesellschaft für Beratung, soziale Innovation und Informationstechnologie (GEBIT) sowie dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) durchgeführt. Projektträger war die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF).

Finanzielle Förderung

Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Die Förderung erfolgte im Rahmen des Forschungsförderungsprogramms „Angewandte Forschung an Fachhochschulen im Verbund mit der Wirtschaft FH3“ (mittlerweile umbenannt in „FHprofUnt“).

Laufzeit

38 Monate von März 2005 bis April 2008

Beteiligte

  • 8 Jugendämter in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz
  • 183 Hilfeprozesse aus dem Spektrum der Hilfen zur Erziehung (§ 27 ff. SGB VIII). Die häufigsten Hilfen nach SGB VIII waren Heimerziehung und sonstige betreute Wohnformen nach § 34 (28,4%), Sozialpädagogische Familienhilfe nach § 31 (23,5%) und Erziehungsbeistandschaft nach § 30 (15,3%).

Projekthintergrund

Das Vorhaben stellt sich den vielschichtigen und teils widersprüchlichen Herausforderungen in der Kinder- und Jugendhilfe. Auf der einen Seite haben es die Fachkräfte in den Jugendämtern mit Steigerungsraten der Fallzahlen, einem sich daraus ergebenden Anstieg der Ausgaben sowie wachsenden Anforderungen an eine möglichst optimale soziale Arbeit zu tun. Auf der anderen Seite gehen die verstärkten Ansprüche an Leistungsvolumen und Qualität einher mit einer Begrenzung der personellen und finanziellen Ressourcen. Mit Hilfe des Case Managements (CM), als einem Verfahren zur fallweisen und fallübergreifenden Steuerung, sollen die sich hieraus ergebenden fachlichen, organisatorischen und ökonomischen Herausforderungen besser aufeinander abgestimmt und bedarfsgerechter ausgerichtet werden. Im Vordergrund steht die Erstellung einer möglichst effizienten Form sozialer Unterstützungsarbeit. Dabei werden die Leistungen einer Vielfalt von Diensten und Mitarbeitern für einen Klienten geplant, ausfindig gemacht und steuernd begleitet.
CM wird in vielen Arbeitsfeldern wie zum Beispiel der Gesundheits- und Altenhilfe angewendet. Der Nutzen des CM ist aber nur punktuell erforscht. Ganz explizit galt dies für den Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. Zur Beurteilung der Wirksamkeit von Maßnahmen unter Anwendung des CM lagen bis dato keine empirischen Befunde vor.

Projektauftrag

Ziel des Projektes war zum einen eine empirische Standortbestimmung des Handlungskonzeptes CM in der Sozialarbeit des Jugendamtes. Auf diesem Hintergrund wurden die Hilfen zur Erziehung unter Anwendung von Case Management-Strukturen auf ihre Effektivität und Effizienz hin evaluiert. Zum anderen sollte das Softwareprogramm GeDok auf CM-spezifische Anforderungen hin optimiert und entsprechende Tools zur Bedarfsfeststellung, Hilfeplanung und Wirkungsmessung entwickelt werden.

Projektergebnisse

Das Forschungsvorhaben konnte zeigen, dass durch den Einsatz des Case Managements in der Kinder- und Jugendhilfe Kinder, Jugendliche, Familien aber auch die Fachkräfte in den Jugendämtern einen unmittelbaren Vorteil haben. Die Ergebnisse belegen, dass eine Orientierung am Verfahren des Case Managements sowohl eine höhere Wirkung der Hilfen als auch einen höheren Grad an Zufriedenheit bei den jungen Menschen, den Sorgeberechtigten, den Leistungserbringern als auch bei den Fachkräften in den Jugendämtern bewirkt. Weiterhin konnte nachgewiesen werden, dass Strukturen des Case Managements dazu beitragen, dass nicht nur die Wirkungen in der sozialen Arbeit verbessert, sondern auch die Leistungen der Hilfe wirtschaftlicher erbracht werden können. Eine wichtige Erkenntnis der Studie ist aber auch, dass sich hieraus kein Ausschließlichkeitsanspruch für das CM ableiten lässt. Im Hinblick auf die Effektivität und Effizienz lässt sich dies am besten mit folgender Formel umschreiben: „Viele Wege führen nach Rom, Case Management aber ziemlich sicher“.
Darüber hinaus wurde ein softwarebasiertes Programm entwickelt, das die Umsetzung und Auswertung des Case Managements in der Praxis unterstützt. Auf diese Art und Weise werden Arbeitsabläufe strukturiert und sinnvoll dokumentiert. Weiterhin können empirische Auswertungen zeitnah und effizient erstellt werden.
Eine umfassende Darstellung der Forschungsergebnisse findet sich in zwei Fachpublikationen:
Arnold, J., Hermsen, T., Löcherbach, P., Mennemann, H. & Poguntke-Rauer, M. (2011). Erfolgreiche Hilfesteuerung im Jugendamt. St. Ottilien: EOS Verlag.
Löcherbach, P., Mennemann, H. & Hermsen, T. (2009). Case Management in der Jugendhilfe. München: Ernst Reinhardt Verlag.

Downloads und weiterführende Informationen

http://www.cm4ju.de

Projektleitung: (im IKJ) Jens Arnold