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HKG

Wissenschaftliche Begleitung der „Helen-Keller-Gruppe“ im Jugendhilfezentrum Raphaelshaus in Dormagen

Auftraggeber

Jugendhilfezentrum Raphaelshaus Dormagen

Projektträger

Träger des Projekts und verantwortlich für die operative Umsetzung ist das Institut für Kinder- und Jugendhilfe (IKJ).

Laufzeit

Die Laufzeit des Projekts betrug 4 Jahre (1.1.2011 – 31.12.2014).

Beteiligte

Alle Mädchen der Helen-Keller-Gruppe

Projekthintergrund

Seit dem 1.8.2010 existiert im Raphaelshaus in Dormagen die „Helen-Keller-Gruppe“, eine Kick-Off-Gruppe für Mädchen. Aufgenommen werden können bis zu sieben Mädchen (Aufnahmealter i. d. R. bis unter 14 Jahre) mit Verhaltensweisen, die sich in erheblichen Gefährdungen für sie selbst und andere Personen äußern (Distanz- und Orientierungslosigkeit, Aggressivität, massive Grenzüberschreitungen, Delinquenz, Störung des Sozialverhaltens u. a.). Die Lebensgeschichten sind oft geprägt von sexueller Grenzüberschreitung und Gewalterfahrung. Aufgrund ihrer hoch problematischen Lebensgeschichte stellen die Mädchen besondere Anforderungen an die pädagogischen Fachkräfte und sind in der Regel in anderen Hilfeformen gescheitert.

Projektauftrag

Mit der 4-jährigen Evaluation der „Helen-Keller-Gruppe“ wurden folgende Zielsetzungen verfolgt:

  1. Es sollten die Effekte der Gruppe mit wissenschaftlichen Methoden dokumentiert werden.
  2. Es sollten Aussagen zu spezifischen Wirkfaktoren der „Helen-Keller-Gruppe“ gemacht werden.
  3. Durch eine Verknüpfung von Kosten und (volkswirtschaftlichem) Nutzen der Arbeit in der Gruppe sollten Aussagen zur Effizienz, d. h. der Kosten-Nutzen-Relation, ermöglicht werden.
  4. Die Erforschung der Wirkungen und der Wirkfaktoren sollte unmittelbaren Einfluss auf die Optimierung der Konzeption und der pädagogischen Methoden haben.

Projektergebnisse

Die Evaluationsergebnisse zeigen, dass es sich bei den Mädchen der Helen-Keller-Gruppe um eine besonders schwierige Klientel handelt. Die insgesamt 20 Mädchen (Altersdurchschnitt 12;10 Jahre), die im Untersuchungszeitraum in der Gruppe betreut wurden, zeigen einerseits eine Vielzahl unterschiedlicher, z. T. schwer ausgeprägter psychischer bzw. psychosozialer Problemlagen und besitzen andererseits durchgängig extrem wenige Ressourcen. Im Schnitt haben im Vorfeld der Hilfe in der Helen-Keller-Gruppe bereits rund 4 andere Jugendhilfemaßnahmen (erfolglos) stattgefunden. 50 % der Mädchen haben sogar bereits stationäre Erfahrung mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie gemacht.
Mit rund 30 % fällt die Abbruchquote der Hilfen in der Helen-Keller-Gruppe vor dem Hintergrund der hoch problematischen Klientel erfreulich gering aus. Auch im Bereich der Kooperation zwischen Mädchen und pädagogischen Fachkräften zeigen sich sehr positive Ergebnisse. Insbesondere der persönliche Beziehungsaufbau sowie die Mitarbeit in der Schule gelin-gen dabei in hohem Maße.
In der Entwicklung der jungen Mädchen zeigen sich besonders positive Ergebnisse im Bereich des sozialen Interaktionsverhaltens: Aggressive, dissoziale und delinquente Verhaltensweisen sowie soziale Unsicherheiten konnten im Untersuchungszeitraum signifikant reduziert werden, individuelle Ressourcen in diesem Bereich, wie z. B. „soziale Integration“, „sozial-kommunikative Fähigkeiten“ oder „Funktion in der Familie“, wurden dagegen signifikant aufgebaut. Darüber hinaus sind auch bei den Ressourcen „Überzeugungen und Bewältigungsstrategien“, „Selbstkonzept/Selbstsicherheit“ und „Autonomie“ statistisch signifikante Zuwächse erkennbar. Insgesamt ergab sich somit für die pädagogische Arbeit in der Helen-Keller-Gruppe eine sehr hohe und in sehr viele Entwicklungsbereiche der jungen Mädchen hineinreichende Effektivität.

Projektleitung

Joachim Klein (IKJ)