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UMF-Studie - Pressekonferenz 22.02.18

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Der Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen e. V. (BVkE) hat in Kooperation mit dem Institut für Kinder- und Jugendhilfe (IKJ) eine Evaluation stationärer Jugendhilfemaßnahmen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge/Ausländer durchgeführt. Damit liegen zum ersten Mal wissenschaftlich abgesicherte Aussagen zur Effektivität pädagogischer Arbeit mit diesen besonders belasteten Jugendlichen vor. An dem Projekt beteiligten sich 36 Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen aus Deutschland und Österreich. Zentrale Ergebnisse der Studie wurden bei der Pressekonferenz am 22.02.2018 in Frankfurt vorgestellt und können im Anhang eingesehen werden.

Die jungen unbegleiteten Flüchtlinge mussten während ihrer Flucht oftmals hoch belastende Erfahrungen machen. Der BVkE betrachtet die Aufnahme und Förderung dieser Kinder und Jugendlichen als humanitäre Aufgabe. Das Ziel sei, die Bildung und Integration dieser jungen Menschen zu stärken, betont Dr. Klaus Esser, 1. Vorsitzender des BVkE e. V. in seiner Begrüßung.

Während der Jugendhilfe werden die Sprachkenntnisse der jungen Flüchtlinge stark verbessert, so Prof. Dr. Michael Macsenaere, Direktor des IKJ. Mehr als 90 % verfügen zum Ende der Jugendhilfe zumindest über Grundkenntnisse und fast die Hälfte haben sogar gute bis sehr gute Kenntnisse der deutschen Sprache. Doch nicht nur beim Erlernen der Sprache zeigen sich positive Effekte der Jugendhilfe. So gelingt es, die vorhandenen persönlichen Ressourcen der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge weiter zu stärken. Interessanterweise fällt der Anstieg dieser Ressourcen im Vergleich mit anderen Jugendlichen in vollstationären Maßnahmen erheblich stärker aus. Die beschriebenen positiven Ergebnisse sind allerdings abhängig von zentralen Wirkfaktoren: Positive Entwicklungsverläufe gelingen insbesondere dann, wenn

  • während der Inobhutnahme eine Klärung des Entwicklungstandes und eine Diagnostik des therapeutischen    Hilfebedarfs erfolgt;
  • Hilfedauer über einem Jahr liegt. Kürzere Hilfen hingegen weisen keine nennenswerten Effekte auf. Herausragende  Effektstärken liegen bei Hilfen mit einer Dauer von über 18 Monaten vor;
  • die jungen Menschen im Rahmen der Hilfe aktiv kooperieren. Begünstigt wird dies durch hohe Partizipation und Beziehungsqualität.

Die insgesamt gute Effektivität fällt für die Flüchtlinge, die auch über ihre Volljährigkeit hinaus eine Jugendhilfe in Anspruch nehmen, nochmals positiver aus. Demnach profitieren minderjährige und in besonderem Maße auch junge volljährige Flüchtlinge von den angebotenen Hilfen. Damit werden Kompetenzen und Fertigkeiten erworben, die für eine nachhaltige Integration förderlich sind.

Aus Sicht der Praxis, so Thomas Köck, Leiter des Campus Christophorus Jugendwerk, sei besonders hervorzuheben, dass die Sicherheit des Aufenthalts sowie eine tragfähige Perspektive für ein gelingendes Leben in Deutschland wichtige Wirkfaktoren in der pädagogischen Arbeit darstellen. Dort wo junge Geflüchtete individuell und bedarfsgerecht im Sinne des SGB VIII Hilfe erhalten, erweist sich Erziehungshilfe als ein hochwirksames Integrationsinstrument.

Zur Publikation

Die Studie beruht auf 1.272 dokumentierten begonnenen Jugendhilfemaßnahmen und 182 abgeschlossenen Hilfen. Das Vorhaben wurde mit Mitteln der Glücksspirale über drei Jahre gefördert. Der Abschlussbericht der Studie ist jetzt im Lambertusverlag erschienen:

Prof. Dr. Michael Macsenaere, Thomas Köck, Stephan Hiller (Hg.)

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Jugendhilfe
Erkenntnisse aus der Evaluation von Hilfeprozessen
ISBN 978-3-7841-2990-7
1. Auflage, 2018, Kartoniert/Broschiert, 144 Seiten

Pressekontakt zu dieser Meldung

Andrea Keller(BVkE)

Telefon: +49 (6131) 94797-71
E-Mail: andrea.keller@caritas.de

Die Veranstalter

Der Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen e. V. (BVkE) ist ein anerkannter zentraler Fachverband des Deutschen Caritasverbandes. Er ist das Netzwerk der katholischen Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen auf Bundesebene. Zum Verband zählen rund 470 Mitglieder aus allen Bundesländern. Seinen zentralen Auftrag sieht der BVkE darin, dazu beizutragen, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in und außerhalb von Familien förderliche Lebens- und Entwicklungsbedingungen erfahren, die das Recht auf Förderung ihrer Entwicklung und auf Erziehung zu einer selbstbestimmten und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit gewährleisten.

Das Institut für Kinder- und Jugendhilfe (IKJ) ist eine außeruniversitäre, sozialwissenschaftliche Praxisforschungseinrichtung. Das im Spannungsfeld von Praxis, Wissenschaft und Politik angesiedelte Institut kommt dabei einer doppelten Funktion nach: Wissenstransfer in die Praxis und Politik einerseits, Rückkopplung von Praxiserfahrungen in den Forschungsprozess andererseits.

Verantwortlich im Sinne des Presserechts: Prof. Dr. Michael Macsenaere (Institut für Kinder- und Jugendhilfe) und Stephan Hiller (Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen).

- UMF-Evaluation Zusammenfassung

- Hier gelangen Sie zum Video

- Website Lambertus Verlag


 

 

 

 

 

 

 

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