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Fachtagung „18 sticht – faire Teilhabechancen für alle jungen Menschen“ am 29.11.2018 in Berlin

Nach der Eröffnung durch Thomas Köck, der alle Anwesenden im Namen des BVkE begrüßte, führte Frau Prof. Karin Böllert mit einem sehr kurzweiligen, aber eindrücklichen Vortrag in die Thematik ein. Insbesondere die von ihr an vielen Stellen hergestellten Bezüge zum aktuell laufenden SGB VIII-Reformprozess zeigten dem interessierten Fachpublikum sehr deutlich die besondere Brisanz, die aktuell in diesem Themenbereich steckt. Dabei monierte sie vor allem die der Gesetzeslage oftmals widersprechende Gewährungspraxis der Jugendämter, die ihrer These zufolge viel mehr durch rein finanzielle Beweggründe als durch fachliche Entscheidungsgrundlagen beeinflusst wird.

Prof. Michael Macsenaere konnte diese Aussagen in seinem Vortrag mit zahlreichen empirischen Ergebnissen eindeutig untermauern: Die erkennbare „Implosion“ der Fallzahlen erzieherischer Hilfen mit Eintreten der Volljährigkeit sind nachweisbar nicht durch fachlich begründete Entscheidungen erklärbar. Vielmehr liegt bei den betroffenen jungen Volljährigen häufig eine so schwierige Ausgangslage vor, dass eine erzieherische Hilfe eigentlich angezeigt wäre und dementsprechend gewährt werden sollte. Zudem zeigen die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen, dass – wenn geeignete Hilfen durchgeführt werden – diese im Schnitt eine enorm hohe Wirksamkeit aufweisen und zudem eine besonders hohe volkswirtschaftliche Effizienz besitzen. So forderte Prof. Macsenaere am Ende seines Vortrags dazu auf, im Zusammenhang mit Hilfen für junge Volljährige zukünftig weniger von haushaltsbelastenden Kosten als vielmehr von sinnvollen Investitionen zu sprechen.

Der politischen Tragweite des Themas entsprechend hatten sich trotz mehrerer an diesem Tag im Bundestag stattfindenden wichtigen Abstimmungen die drei Abgeordneten Ulrike Bahr (SPD), Katja Dörner (Die Grünen) und Michael Patzelt (CDU) die Zeit genommen, um Statements zu den Hilfen für junge Volljährige vorzutragen und sich anschließend der sehr angeregten Diskussion mit den Fachbesuchern zu stellen. Dabei zeigten sich alle Abgeordneten offen gegenüber den Argumenten aus Wissenschaft und Praxis und sagten u. a. am Ende zu, Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen, wie z. B. der Care Leaver-Studie von IKJ und BVkE, in politische Entscheidungsprozesse mit einzubeziehen und bei der Entscheidungsfindung ernsthaft zu berücksichtigen.

Am Nachmittag betonte Prof. Wolfgang Schröer in seinem Vortrag die besondere Verantwortung der Gesellschaft gegenüber allen jungen Menschen, in deren Biografie sich der Staat im Laufe ihres jungen Lebens in Form erzieherischer Hilfen „eingemischt“ hat. Dabei richtete er den Blick u. a. ins europäische Ausland, z. B. nach Großbritannien und Skandinavien, wo sich bereits seit einigen Jahren spezifische Praxiskonzepte zur Übergangsbegleitung von Care Leavern fest in gesetzlichen Regelungen etabliert haben.

Neben diesen drei fundierten Fachvorträgen wurden den Besuchern der Veranstaltung an diesem Tag außerdem sehr praxisnahe Beiträge geboten: Thomas Woltmann aus dem Don Bosco Jugendwerk in Bamberg stellte das Modellprojekt Coraggio vor, das ehemaligen Betreuten des Jugendwerks eine Anlaufstelle bietet, an die sie sich mit allen Problemen wenden können, mit denen sie in der Zeit nach Hilfeabschluss konfrontiert werden. Die Mitarbeiter der Beratungsstelle versuchen mit Fachkompetenz und großem persönlichen Engagement, für alle Fragen und Schwierigkeiten Lösungen zu finden und den jungen Menschen  in schwierigen Lebenslagen Unterstützung und neue Impulse zu geben, damit sie anschließend ihren Lebensweg selbstständig weiter gehen können.

Ein Höhepunkt des Tages war schließlich der Besuch einer Care Leaverin, die im persönlichen Gespräch mit Prof. Schröer eindrucksvolle Einblicke in ihren persönlichen Lebensweg gab und dabei in sehr klarer und sympathischer Weise beschrieb, welche Schwierigkeiten sie beim Übergang aus einer stationären Jugendwohngruppe in eine eigene Wohnung bis hin zum Hochschulstudium zu überwinden hatte.

Mithilfe dieses Fachtags wollen IKJ und BVkE einen starken fachlichen Impuls für die Fachdiskussion über die Hilfen für junge Volljährige setzen und werden dieses Thema u. a. mithilfe der laufenden Studie „Care Leaver – stationäre Jugendhilfe und ihre Nachhaltigkeit“ in den nächsten Monaten weiter forcieren.

Die Vorträge bzw. Präsentationen können Sie in unserem Downloadbereich herunterladen.

 

 

 

 

 

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